Das Diesseitige Leben
nser
Universum ist von tadelloser Regelmssigkeit. Milliarden von Sternen und
Galaxien bewegen sich auf ihren unterschiedlichen Bahnen und dennoch in
einer Gesamtharmonie. Galaxien, die aus nahezu 300 Milliarden Sternen
bestehen, durchdringen einander und dennoch kommt es whrend dieser gigantischen
Durchdringung zu keinen Zusammenstssen. Eine derartige Ordnung kann nicht
zufllig entstanden sein. Die Gre des Universums ist enorm. Sterne und
Planeten mit einer Masse von Milliarden oder Trillionen von Tonnen und
Galaxien von einer Gre, die sich menschlicher Vorstellungskraft entzieht,
bewegen sich im Universum mit unglaublichen Geschwindigkeiten auf ihrer
Bahn.
Die Erde dreht sich um ihre Achse mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit
von 1.670 Kilometern pro Stunde. Die mittlere Geschwindigkeit der Erde
in ihrer Bahn um die Sonne betrgt 108.000 Kilometer pro Stunde. Wir finden
noch grere Werte, wenn wir ber unser Sonnensystem hinausblicken. Je
grer die Systeme im Universum werden, desto grer wird die Geschwindigkeit
ihrer Bewegung. Unser Sonnensystem dreht sich mit einer Geschwindigkeit
von 720.000 Kilometern pro Stunde um den Mittelpunkt der Galaxie. Die
Geschwindigkeit der Milchstrasse, die selbst ca. 200 Milliarden Sterne
enthlt, betrgt 950.000 Kilometer pro Stunde. Die Erde und unser Sonnensystem
entfernen sich jedes Jahr 500 Millionen Kilometer vom dem Standort des
Vorjahres.
Es existiert ein empfindliches Gleichgewicht innerhalb all dieser Dynamik.
Sehr geringfgige Schwankungen in der Bahn der Himmelskrper knnen sehr
ernste Konsequenzen haben. Einige knnten so negativ sein, dass das Leben
auf der Erde unmglich werden wrde. In empfindlichen Systemen mit enormen
Geschwindigkeiten knnen jederzeit gigantische Unflle geschehen. Jedoch
lsst die Tatsache, dass wir unser Leben in alltglicher Weise auf diesem
Planeten fhren, uns die Gefahren vergessen, die im Universum existieren.
Die bestehende Ordnung des Universums mit ihren geringfgigen negativen
Auswirkungen, von denen wir wissen, lsst uns in den Gedanken verfallen,
dass uns eine vollkommene, bestndige und sichere Umwelt umgibt.
Die Menschen denken nicht sehr viel ber solche Tatsachen nach. Deshalb
erkennen sie nicht das auerordentliche Netz der limitierenden Bedingungen,
durch das Leben auf der Erde mglich wird. Sie halten es nicht fr wichtig,
das wirkliche Ziel ihres Lebens zu begreifen. Sie leben, ohne sich darber
zu wundern, wie das feine Gleichgewicht im Universum entstanden ist.
Der Mensch aber wurde mit der Fhigkeit zum Denken ausgestattet. Ohne
die eigene Umwelt gewissenhaft und mit Verstand zu beobachten, kann man
weder die Wirklichkeit erkennen noch die geringste Vorstellung entwickeln,
warum die Welt hervorgebracht wurde und wer diese groe Ordnung in ihrem
vollkommenen Rhythmus in Bewegung hlt.
Wer ber diese Fragen nachdenkt, wird frher oder spter einer unvermeidlichen
Tatsache ins Auge schauen: Das Universum, in dem wir leben, wurde von
einem Schpfer erschaffen, dessen Existenz und Eigenschaften in allem
sichtbar werden, das existiert. Die Erde, ein kleines Staubkorn im Universum,
wurde erschaffen, um einem bedeutenden Zweck zu dienen. Nichts tritt ohne
Sinn im Fluss unseres Lebens auf. Der Schpfer, der Seine Attribute, Seine
Macht und Seine Weisheit im ganzen Universum zeigt, lsst den Menschen
nicht allein, sondern stattete ihn mit einer bedeutenden Mission aus.
Der Grund, warum der Mensch auf der Erde existiert, wird von Allah im
Quran wie folgt erklrt:
Der Tod und Leben schuf, um zu prfen, wer von euch
am besten handelt. Und Er ist der Erhabene, der Verzeihende. (Sure 67:2
- al-Mulk)
Siehe, Wir erschufen den Menschen frwahr aus einem
Tropfen Samen, der sich (mit der Eizelle) vermischt, um ihn zu prfen.
Und Wir gaben ihm Gehr und Augen. (Sure 76:2 - al-Insan)
Im Quran erklrt Allah, dass nichts ohne Sinn ist:
Und Wir erschufen den Himmel und die Erde und was zwischen
beiden ist gewiss nicht zu Scherz und Zeitvertreib. Htten Wir zum Zeitvertreib
ein bloes Beispiel spielen wollen, htten Wir es gewiss in Uns Selbst
gefunden, wenn Wir so etwas berhaupt gewollt htten. (Sure 21:16, 17
- al-Anbiya)
DAS GEHEIMNIS DER WELT
Allah deutet auf den Sinn des Lebens des Menschen im folgenden Vers hin:
Siehe, Wir erschufen, was auf Erden ist, als Schmuck
fr sie, um zu prfen, wer unter ihnen die besten Werke vollbringt.
(Sure 18:7 - al-Kahf)

Allah erwartet vom Menschen, dass er sich Ihm sein Leben lang als sein
Diener widmet. Das heit, die Welt ist ein Ort, an dem diejenigen, die
Allah frchten und diejenigen, die Allah gegenber undankbar sind, sich
voneinander unterscheiden. Das Gute und das Bse, die Vollkommenheit und
die Fehlerhaftigkeit befinden sich nebeneinander. Der Mensch wird auf
vielerlei Weise geprft. Am Ende werden die Glubigen von den Unglubigen
getrennt und das Paradies erreichen. Im Quran wurde dies wie folgt beschrieben:
Meinen die Menschen wohl, in Frieden gelassen zu werden,
nur weil sie sagen: "Wir glauben" - und nicht auf die Probe gestellt
zu werden? Doch Wir stellten gewiss auch diejenigen auf die Probe, die
vor ihnen lebten, und Allah erkennt sowohl die Aufrichtigen wie die
Falschen. (Sure 29:2, 3 - al-'Ankabut)
Um das Wesentliche dieser Prfung verstehen zu knnen, muss man ein tiefes
Verstndnis fr seinen Schpfer haben, dessen Existenz und Attribute in
allem offenbar werden, was existiert. Er ist der Schpfer, der Besitzer
endloser Macht, Wissen und Klugheit.
Er ist Allah, der Schpfer, der Urheber, der Formgebende.
Sein sind die schnsten Namen. Ihn preist, was in den Himmeln und auf
Erden ist; Er ist der Mchtige, der Weise. (Sure 59:24 - al-Haschr)
Allah erschuf den Menschen aus Lehm, stattete ihn mit vielen Eigenschaften
aus und erwies ihm viele Gnaden. Niemand erwirbt Fhigkeiten wie Sehen,
Hren, Gehen oder Atmen von selbst. Diese komplexen Systeme werden bereits
in der Gebrmutter herangebildet, noch bevor der Mensch geboren wird und
fhig ist, die uere Welt wahrzunehmen.
Vom einem Menschen, dem all diese Fhigkeiten gegeben werden, wird erwartet,
ein Diener Allahs zu sein. Wie Allah jedoch im Quran darlegt, sind die
meisten Menschen beltter und ihrem Schpfer gegenber undankbar. Sie
nehmen an, dass das Leben lang ist und dass sie die individuelle Macht
besitzen, um zu berleben.
Deshalb besteht ihr Lebenssinn darin, das Leben im Diesseits zu fhren.
Sie vergessen den Tod und das Jenseits. Sie bemhen sich, dass Leben zu
genieen und bessere Lebensbedingungen zu erreichen. Allah erklrt die
Verbundenheit dieser Menschen mit dem diesseitigen Leben im folgenden
Vers:
Siehe, diese da lieben das schnell Vergngliche und
vernachlssigen einen schwer lastenden (knftigen) Tag. (Sure 76:27
- al-Insan)
Die Unglubigen bemhen sich, alle Vergngen dieses Lebens zu genieen.
Jedoch wie der Vers andeutet, vergeht das Leben sehr schnell. Dies ist
ein Punkt, den die Mehrheit der Menschen nicht bercksichtigt.
EINIGE SEKUNDEN ODER EINIGE STUNDEN?
Denken Sie an einen typischen Ferientag: nach Monaten harter Arbeit haben
Sie zwei Wochen Ferien. Sie erreichen Ihren Lieblingsurlaubsort nach einer
erschpfenden Fahrt von acht Stunden. Die Empfangshalle ihres Hotels ist
voll von Urlaubern wie Ihnen. Sie sehen sogar bekannte Gesichter und grssen.
Das Wetter ist warm und Sie mchten nicht einen Moment den Sonnenschein
und das ruhige Meer vermissen; ohne Zeit zu verlieren, suchen Sie Ihr
Zimmer auf, ziehen Ihren Badeanzug an und eilen zum Strand. Schlielich
sind Sie im kristallklaren Wasser, aber pltzlich werden Sie durch eine
Stimme erschreckt: "Wach auf, du bist spt dran zur Arbeit!".
Sie sehen diese Worte als unsinnig an. Fr einen Augenblick knnen Sie
nicht begreifen, was geschieht; es gibt einen unverstndlichen Widerspruch
zwischen dem, was Sie sehen und dem, was Sie hren. Wenn Sie Ihre Augen
ffnen und sich in Ihrem Schlafzimmer wieder finden, erstaunt Sie die
Tatsache, dass alles ein Traum war sehr. Sie knnen nicht anders, als
Ihr Erstaunen zum Ausdruck zu bringen: "Ich fuhr acht Stunden lang, um
diesen Ort zu erreichen. Trotz des eiskalten Wetters hier glaubte ich
an den Sonnenschein dort in meinem Traum. Ich fhlte das Wasser auf meinem
Gesicht."
Die achtstndige Fahrt zum Urlaubsort, die Zeit, die Sie in der Hotelhalle
verbrachten, alles was Sie in Ihren Ferien erlebt haben, war ein Traum
von einigen Sekunden. Er war zwar nicht vom tatschlichen Leben zu unterscheiden,
aber was Ihnen wie die Wirklichkeit vorkam, war nur ein Traum.
Dies zeigt, dass wir aus dem Leben in dieser Welt aufgeweckt werden knnen,
gerade whrend wir diesen Traum trumen. Die Unglubigen dem werden genau
die gleiche Art des Erstaunens erleben. Im Verlauf ihres Lebens konnten
sie sich nicht von Missverstndnis befreien, dass ihr Leben lang sein
wrde. Jedoch zu dem Zeitpunkt, an dem sie wieder erschaffen werden, werden
sie begreifen, dass der Zeitabschnitt, der ihnen wie sechzig oder siebzig
Jahre vorkam, nur einige Sekunden gedauert hat. Allah berichtet darber
im Quran:
Er wird fragen: "Wie viele Jahre wart ihr auf Erden?"
Sie werden sagen: "Wir waren wohl einen Tag oder nur den Teil eines
Tages dort. Frag die, welche rechnen knnen. (Sure 23:112-114 - al-Mu'minun)
Ob es zehn oder hundert Jahre sind, der Mensch wird die Krze seines
Lebens am Ende begreifen, wie der obige Vers uns erklrt. Dies ist vergleichbar
dem Fall eines Mannes, der gerade aus einem Traum aufwacht, in dem er
bitterlich das Verschwinden aller Bilder eines schnen, langen Ferientags
bedauert und pltzlich feststellt, dass es blo ein Traum von wenigen
Sekunden gewesen ist. In hnlicher Weise wird das Leben fr ihn so kurz
sein, dass er schwren wird, dass sein jahrelang mit groem Ehrgeiz gefhrtes
Leben nur eine Stunde lang dauerte, wie in dem Quranvers unten erklrt
wird:
Und an dem Tage, an dem sich die (Letzte) Stunde einstellt,
werden die Snder schwren, dass sie nur eine Stunde (auf Erden) verweilten.
So sind sie an (Selbst)tuschung gewhnt. (Sure 30:55 - ar-Rum)
Das Leben im Diesseits ist zeitlich begrenzt. Seien es ein Tag oder einige
Stunden oder 70 Jahre. Es ist unwichtig, ob ein Mensch 80 Jahre oder 100
Jahre lebt, er nhert sich jeden Tag dem unvermeidbaren Ende. Beispiele
hierfr hat ausnahmslos jeder in seinem Leben gesehen. Denken Sie daran,
eines Tages wird die Zeit um sein. Wenn Sie dann ber Ihre Vergangenheit
nachdenken, wird Ihr erster Gedanke sein: "Wie schnell ist es vergangen!".
Denken Sie an einen Jungen, der vor kurzem mit dem Gymnasium begann.
Gewhnlich kann er den Tag nicht abwarten, an dem er die Schule beenden
wird. Er erwartet ihn mit heiem Verlangen; und schon bald wird er sich
an einer Hochschule einschreiben. In diesem Stadium seines Lebens erinnert
er sich nicht mehr an die langen Jahre auf dem Gymnasium. Er hat bereits
andere Plne in seinem Kopf; er mchte aus diesen kostbaren Jahren Nutzen
ziehen. Folglich fasst er zahlreiche Plne. Er organisiert ganz begeistert
seine bevorstehende Hochzeit. Dennoch vergeht die Zeit schneller, als
er erwartet, er lsst viele Jahre hinter sich, und er sieht, dass er eine
Familie hat. Wenn er Grovater wird, ein alter Mann mit gebrechlicher
Gesundheit, erinnert er sich nur noch ganz schwach an sein frheres Leben.
Diese klassische Geschichte des Mannes endet - ausnahmslos - mit seinem
Begrbnis.
Allah hat seit Beginn der Geschichte den Menschen an die temporre Natur
dieser Welt erinnert und das Jenseits beschrieben, seinen tatschlichen
und ewigen Wohnsitz. Viele Einzelheiten, die das Paradies und die Hlle
betreffen, werden in den Offenbarungen Allahs beschrieben. Dennoch neigt
der Mensch dazu, diese wesentliche Wahrheit zu vergessen und er investiert
all seine Bemhungen in dieses Leben, obwohl es kurz und nur von vorbergehender
Natur ist. Nur diejenigen, die die sich dem Leben rational nhern, werden
von Verstand und Bewusstsein zur Einsicht gebracht, und sie stellen fest,
dass dieses Leben keinen Wert hat, wenn es mit dem ewigen Leben verglichen
wird. Der Mensch arbeitet sein ganzes Leben lang, um das ewige Paradies
zu erreichen, dass voll ist mit unvergleichlichen Gottesgaben. Der einzige
Weg dahin ist, sich mit unerschtterlichem Glauben an Allah zu wenden.
Diejenigen jedoch, die versuchen, nicht an das unvermeidbare Ende dieser
Welt zu denken und die ihr Leben mit einer derartigen Haltung fhren,
werden ewige Bestrafung erleiden. Allah erklrt im Quran das schreckliche
Ende, das diese Leute trifft, wie folgt:
Und an dem Tage, an dem Er sie versammelt, wird es
ihnen sein, als htten sie nur eine Stunde des Tages verweilt und als
kennten sich alle. Dann werden die verloren sein, welche die Begegnung
mit Allah geleugnet hatten und nicht rechtgeleitet waren. (Sure 10:45
- Yunus)
So gedulde dich denn, wie die Standhaften unter den
Gesandten sich geduldet hatten, und wnsche nicht (ihre Strafe) herbei.
An dem Tage, an dem sie das ihnen Angedrohte sehen werden, (wird ihnen
sein) als htten sie an einem (einzigen) Tag nur eine (einzige) Stunde
verweilt. Eine Botschaft! Wer anders sollte denn vernichtet werden als
das Volk der Frevler? (Sure 46:35 - al-Ahqaf)
ZGELLOSER EHRGEIZ
Ganz gleich, was ein Mensch im Leben besitzt, er kann nicht wirkliche
Zufriedenheit erreichen, ohne an Allah zu glauben und Ihm zu vertrauen.
Sobald er erwachsen wird, beginnt er, sich nach Reichtum, Macht und Status
zu sehnen. Zu seiner Verwunderung muss er jedoch feststellen, dass sein
Wille zu begrenzt ist, um sich diese Sehnschte zu erfllen; es besteht
keine Mglichkeit, all das zu besitzen, was er sich wnscht. Weder Flle
noch Erfolg noch irgendeine Form des Wohlstandes beschwichtigen seinen
Ehrgeiz. Unabhngig vom sozialen Status oder seiner Herkunft ist das Leben
der Menschen auf sechs oder sieben Jahrzehnte begrenzt. Nach Ablauf dieser
Periode macht der Tod alle weltlichen Gensse und Freuden bedeutungslos.
Wer fr zgellose Wnsche anfllig ist, sieht sich selbst immer als unzufrieden
an. In jedem Stadium des Lebens besteht diese Unzufriedenheit, wobei sich
nur die Ursachen der Zeit und den Bedingungen entsprechend ndern. Der
Wille zur Erfllung dieser Wnsche bringt einige Leute dazu, alles Erdenkliche
zu tun. Jemand kann so auf seine Wnsche fixiert sein, dass er bereit
ist, jede Konsequenz auf sich zu nehmen, selbst wenn sie den Verlust der
Liebe und der Familie bedeuten oder aus ihm einen Verstoenen machen.
Wenn er sein Ziel erreicht, verschwindet die Magie jedoch. Er verliert
alles Interesse am Erreichten. Unzufrieden mit dem Erreichten, beginnt
er anschlieend sofort, etwas anderes zu suchen und bemht sich darum,
nun dieses zu erreichen, bis er schlielich alle Wnsche der Reihe nach
verwirklicht hat.
Zgelloser Ehrgeiz ist die typische Eigenschaft eines Unglubigen. Dieses
Merkmal kennzeichnet ihn, bis er stirbt. Er fhlt sich nie zufrieden mit
dem, was er besitzt, weil er alles seiner egoistischen Gier unterordnet.
In gleicher Weise wird alles, was die Menschen besitzen, ein Grund fr
ihren Ruhm, und dieser macht die Menschen unachtsam gegenber den Beschrnkungen,
die Allah festgelegt hat. Allah erlaubt niemandem, der sich gegen Ihn
so rebellisch verhlt, in dieser Welt Befriedigung und Zufriedenheit zu
finden. Allah sagt in einem Vers des Quran:
Diejenigen, welche glauben, und deren Herzen im Gedanken
an Allah in Frieden sind - sollten die Herzen im Gedanken an Allah denn
nicht in Frieden sein? (Sure 13:28 - ar-Ra'd)
TRGERISCHE WELT
Auf der ganzen Erde umgeben den Menschen zahlreiche Beispiele der Vollkommenheit
der Schpfung: groartige Landschaften, Millionen unterschiedlicher Pflanzenarten,
der blaue Himmel, schwere Regenwolken oder der menschliche Krper - ein
vollkommener Organismus voller komplexer Systeme. Dies sind alles atemberaubende
Beispiele der Schpfung.
Einen Schmetterling zu sehen, der seine Flgel ausbreitet, dessen erstaunlich
komplexes Muster ein Zeichen seiner Identitt ist, bleibt unvergesslich.
Die Kopffedern eines Vogels, so fein und glnzend, dass sie wie prchtiger
schwarzer Samt aussehen oder die attraktiven Farben und der Geruch einer
Blume sind fr die menschliche Seele berraschende Erfahrungen.
Jeder, fast ohne Ausnahme, schtzt ein schnes Gesicht. Herrschaftliche
Wohnhuser, vergoldete Inventarstcke und Luxusautos sind fr einige Leute
das wichtigste Besitztum. Man sehnt sich nach vielen anderen Sachen im
Leben, dennoch ist die Schnheit von allem, was wir besitzen, dazu bestimmt,
zu vergehen.
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Im Quran, der letzten, abschließenden,
authentischen Offenbarung, welche die Menschlichkeit auf den richtigen
Weg führen soll, erinnert Allah uns wiederholt an die temporäre
Natur dieser Welt und ruft uns zur Klarheit des Verstandes und
des Bewusstseins auf. Die Abbildungen auf dieser Seite sind eine
Demonstration dieser Tatsache. Jeder beliebige Ort der Welt, ganz
gleich wie eindrucksvoll, verfällt in einigen Jahrzehnten,
manchmal sogar in noch kürzerer Zeit, schneller als man erwarten
würde.
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Eine Frucht beginnt von dem Moment an zu verfaulen, an dem sie von ihrem
Zweig gepflckt wird, nimmt nach und nach eine dunklere Farbe an und verfault.
Der Geruch von Blumen erfllt unsere Rume nur fr eine bestimmte Dauer.
Bald verblassen ihre Farben und sie welken dahin. Das hbscheste Gesicht
bekommt nach einigen
Jahrzehnten
Falten. Die Wirkung der Jahre auf die Haut und die graumelierten Haare
lassen jedes hbsche Gesicht so aussehen wie das anderer lterer Leute.
Vom gesunden Teint oder den roten Wangen eines Jugendlichen bleibt nach
einigen Jahren keine Spur erhalten. Gebude bentigen Erneuerung, Automobile
werden alt und rostig. Alles, was uns umgibt, ist den Auswirkungen der
Zeit unterworfen. Einigen Menschen scheint dies ein "natrlicher Prozess"
zu sein. Der Prozess des Verfalls enthlt jedoch eine Botschaft: "Nichts
ist gegen die Wirkung der Zeit immun."
Vergnglich sind vor allem die Lebewesen dieser Welt: Jede Pflanze, jedes
Tier und jeder Mensch, sie mssen alle eines Tages sterben. Dennoch beeinflusst
zgelloser Ehrgeiz den Wunsch des Menschen nach Besitz und Flle sehr
stark. Das Verlangen nach Besitz erfasst ihn unwillkrlich. Doch nur Allah
ist der alleinige Besitzer von allem Existierenden. Alles Lebendige bleibt
lebendig so lange wie Er will, und es stirbt, wenn Er seinen Tod verfgt.
Allah offenbart den Menschen diese Wirklichkeit in dem folgenden Vers:
Siehe,
das irdische Leben ist wie das Wasser, das Wir vom Himmel hinabsenden.
Es wird vom Gewchs der Erde aufgenommen, von dem Menschen und Vieh sich
nhren. Wenn die Erde ihren Flitter empfangen und sich geschmckt hat
und ihre Bewohner glauben, sie htten Macht ber sie, dann kommt Unser
Befehl zu ihr, in der Nacht oder am Tag, und Wir machen sie wie abgemht,
so als ob sie gestern gar nicht blhend gewesen wre. So machen Wir die
Zeichen klar fr ein Volk, das nachdenkt. (Sure 10:24 - Yunus)
Allah erwartet von einem Menschen als intelligentem Wesen, dass er aus
solchen Vorkommnissen seine Lehren zieht. Denkfhigkeit und Verstand sind
Merkmale, die den Menschen charakterisieren; ohne diese Merkmale fehlten
ihm seine ihn vom Tier unterscheidenden Eigenschaften. Tiere fhren ebenfalls
ein Leben, das in vielerlei Hinsicht dem menschlichen Leben hnlich ist.
Sie atmen, pflanzen sich fort und mssen eines Tages sterben.
Tiere denken jedoch nicht daran, warum und wie ihre Vorfahren gestorben
sind, oder dass sie selbst eines Tages sterben werden.
Es ist nur natrlich, dass sie sich so verhalten, denn sie wurden nicht
als vernunftbegabte Wesen erschaffen. Von ihnen wird nicht erwartet, dass
sie an den Zweck ihrer Schpfung oder an den Schpfer denken.
Jedoch ist der Mensch gegenber Allah dafr verantwortlich, Allah zu
kennen, sich Seinen Befehlen zu unterwerfen und zu begreifen, dass das
wahre Heim nicht das diesseitige Leben ist. Diejenigen, die diese Tatsachen
wirklich begreifen, suchen nach Allahs Fhrung und richten sich nach seinen
Erluterungen, um gute Taten zu begehen.
Andernfalls trifft den Menschen in dieser Welt wie auch im Jenseits die
Bestrafung. Er wird wohlhabend, aber erreicht nie Zufriedenheit. Seine
Schnheit bringt ihm Unglck. Er wird berhmt, aber eines Tages bleibt
er allein und stirbt ganz fr sich allein.
BEISPIELE AUS DEM QURAN BER DIE VORLUFIGKEIT DER WELT

Und stelle ihnen ein Gleichnis vom irdischen Leben auf. Es ist wie
das Wasser, das Wir vom Himmel hinabsenden. Die Pflanzen der Erde
nehmen es auf, aber dann werden sie dürres Heu, das der Wind
verstreut. Und Allah hat Macht über alle Dinge.
(Sure 18:45 – al-Kahf) |
Allah hebt im Quran wiederholt hervor, dass diese Welt eine Welt ist,
in der jeder Genuss nur von vorbergehender Natur ist. Allah erzhlt die
Geschichte jener Gesellschaften, jener Mnner und Frauen der Vergangenheit,
die ber ihren Wohlstand, ihren Ruhm oder Sozialstatus jubelten und dennoch
ein verhngnisvolles Ende fanden. In der Sure al-Kahf wird das Schicksal
von zwei Mnnern, wiedergegeben:
Und stelle ihnen das Gleichnis von zwei Mnnern auf. Einem von ihnen
gaben Wir zwei Rebgrten, umzunt mit Palmen, zwischen denen Wir ein
Getreidefeld anlegten.
Beide Grten erbrachten ihre Ernte, und so mangelte nichts. Und Wir
lieen mittendurch einen Bach flieen. Und er trug ihm Frchte. Da sagte
er whrend ihrer Unterhaltung zu seinem Gefhrten "Ich habe reicheres
Vermgen als du und verfge ber mehr Leute."
Sich so gegen sich selbst versndigend, betrat er seinen Garten und
sprach: "Ich glaube nicht, dass dies je zugrunde geht. Und ich glaube
auch nicht, dass die Stunde je kommt. Und selbst wenn ich zu meinem
Herrn zurckgeholt werden sollte, fnde ich dort gewiss etwas besseres
im Tausch."
Da sagte sein Gefhrte zu ihm: "Glaubst du etwa nicht an den, der dich
aus Staub erschaffen hat und dann aus einem Samentropfen, und dich dann
zu einem Mann geformt hat? Fr mich ist jedoch Allah mein Herr, und
ich stelle meinem Herrn nichts zur Seite. Und warum sagtest du beim
Betreten deines Gartens nicht: "Wie Allah will! Es gibt keine Macht
auer bei Allah!" Du siehst zwar, dass ich weniger Vermgen und Kinder
habe als du. Aber mein Herr wird mir vielleicht doch etwas besseres
geben als deinen Garten. Denn auf ihn knnte Er (jederzeit) vom Himmel
Seine Blitze senden, so dass er zu Staub zerbrselt, oder sein Wasser
versiegt und du bist auerstande, welches zu finden.
Tatschlich
wurden seine Frchte (von Allahs Strafgericht) erfasst. Und am anderen
Morgen begann er, seine Hnde zu ringen wegen der Ausgaben, die er gemacht
hatte; denn (die Reben) waren mit ihren Sttzen zusammengebrochen. Und
er sagte: "Ach, htte ich doch meinem Herrn nichts zur Seite gestellt!"
Doch er hatte keinerlei Helfer, die ihm an Allahs Stelle htten helfen
knnen, noch konnte er sich selbst helfen.
In einem solchen Fall gewhrt allein Allah, der Wahre,
Schutz. Bei Ihm ist der beste Lohn und der beste Ausgang. Und stelle
ihnen ein Gleichnis vom irdischen Leben auf. Es ist wie das Wasser,
das Wir vom Himmel hinab senden. Die Pflanzen der Erde nehmen es auf,
aber dann werden sie drres Heu, das der Wind verstreut. Und Allah hat
Macht ber alle Dinge. Vermgen und Kinder sind Schmuck des irdischen
Lebens. Das Bleibende aber, die guten Werke, bringen besseren Lohn bei
deinem Herrn und begrnden bessere Hoffnung. (Sure 18:32-46 - al-Kahf)
Wer sich seines Besitzes rhmt, gibt Anlass zur Lcherlichkeit. Dies
ist das unvernderliche Gesetz Allahs. Besitz und Macht werden als Geschenk
von Allah gegeben und knnen jederzeit zurckgenommen werden.
Wir haben sie frwahr geprft, so wie Wir die Gartenbesitzer
prften, als sie schworen, am nchsten Morgen die Frchte zu ernten.
Aber keinen Vorbehalt machten. Darum suchte ihn dein Herr vernichtend
heim, whrend sie schliefen.
So war er am Morgen wie abgeerntet! Aber sie riefen
einander am Morgen zu: "Geht frhzeitig auf euer Feld, falls ihr die
Frchte ernten wollt." Da machten sie sich auf, wobei sie einander zuflsterten:
"Heute soll uns kein Armer dazwischenkommen." Und mit dieser (geizigen)
Absicht gingen sie in der Frhe (zum Garten) hinaus. Doch als sie ihn
sahen, riefen sie: "Wir irrten sicherlich vom Weg ab! Nein! Wir sind
beraubt!" Der Gerechteste von ihnen sagte: "Habe ich nicht zu euch gesagt:
"Warum preist ihr nicht (Allah)?" Sie sagten: "Preis sei unserem Herrn!
Wir taten wirklich Unrecht." Und sie begannen, sich gegenseitig Vorwrfe
zu machen. Sie riefen: "Wehe uns! Wir haben uns ganz falsch verhalten.
Vielleicht gibt uns unser Herr zum Tausch fr ihn einen besseren (Garten).
Wir flehen unseren Herrn wirklich darum an."
So war die Strafe! Aber die Strafe des Jenseits ist
grer. O wenn sie es nur wssten! (Sure 68:17-33 - al-Qalam)
Das aufmerksame Auge erkennt an diesen Versen sofort, dass Allah in dieser
Geschichte nicht Beispiele von Atheisten gibt. Es wird hier von Menschen
berichtet, die an Allah glauben, aber deren Inneres unempfindlich geworden
ist. Ihre Erinnerung an Ihn ist schwach und sie sind gegen ihren Schpfer
undankbar. Sie sind stolz auf den Besitz, den Allah ihnen als Zeichen
Seiner Gunst gibt und vergessen dabei vllig, dass dieser Besitz nur ein
Betriebsmittel ist, das in der von Ihm angewiesenen Weise verwendet werden
darf. Gewhnlich besttigen sie die Existenz und die Macht Allahs; jedoch
sind sie in ihrem Innern voll Stolz, Ehrgeiz und Egoismus.
Die Geschichte von Korah, einem Mann aus dem Volke Moses, wird im Quran
als Beispiel des archetypischen, wohlhabenden, weltlichen Charakters erzhlt.
Korah und diejenigen, die nach Status und Wohlstand streben, sind sogenannte
Glubige, die ihre Religion fr Besitz aufgeben, und folglich das gesegnete
ewige Leben verlieren:
Siehe, Korah war vom Volke Moses, doch verging er sich
gegen sie. Wir aber gaben ihm so viel an Schtzen, dass seine Schatztruhe
fr eine grere Schar krftiger Leute eine Brde gewesen wre. Als
sein Volk zu ihm sprach: "Frohlocke nicht, Allah liebt nicht die Frohlockenden.
Und suche mit dem, was dir Allah gegeben hat, die knftige Wohnung,
ohne deinen Anteil an dieser Welt zu vergessen. Und tu Gutes, so wie
Allah dir Gutes tat, und stifte kein Verderben auf Erden; siehe, Allah
liebt nicht die, welche Unheil stiften!" Da sprach er: "Das (alles)
wurde mir in Anerkennung meines Wissens gegeben!" Wusste er nicht, dass
Allah bereits vor ihm ganze Geschlechter vernichtet hatte, die an Kraft
strker als er waren und mehr aufgehuft hatten? Aber die Missetter
werden nicht nach ihren Snden befragt." So ging er in seinem (vollen)
Schmuck zu seinem Volke hinaus. Jene nun, die auf das irdische Leben
begierig sind, sprachen: "O dass wir doch besen, was Korah gegeben
wurde! Er hat wirklich gewaltiges Glck!" Aber diejenigen, denen das
Wissen gegeben war, sprachen: "Wehe euch! Die Belohnung Allahs ist besser
fr den, der glaubt und das Rechte tut; und niemand gewinnt sie, auer
den Standhaften." Dann lieen Wir die Erde ihn und sein Haus verschlingen.
Da fand er niemand, ihm zu helfen, auer Allah; und er konnte auch sich
selbst nicht helfen. (Sure 28:76-81 - al-Qasas)
Das Hauptdelikt von Korah war, dass er sein Dasein als unabhngig von
Allah ansah. In der Tat verweigerte er nicht die Akzeptanz der Existenz
Allahs, nahm aber an, dass er wegen seiner berlegenen Eigenschaften die
Macht und den Besitz verdient habe, die ihm von Allah geschenkt wurden.
Alle Menschen auf dieser Erde sind Diener Allahs und ihr Besitz wird ihnen
nicht einfach gegeben, weil sie ihn verdienen. Alles, was dem Menschen
gegeben wird, ist als eine Gunst Allahs anzusehen. Wenn er diese Tatsache
bercksichtigt, wird der Mensch wegen seines Reichtums nicht undankbar
und rebellisch gegen seinen Schpfer, sondern er fhlt Dankbarkeit und
zeigt diese Dankbarkeit durch sein gutes Verhalten gegenber Allah. Dies
ist zweifellos die beste und achtbarste Weise, in der jemand seine Dankbarkeit
gegenber Allah erweisen kann. Korah und diejenigen, die so sein wollen
wie er, begehen andererseits frevelhafte Taten, und sie engagieren sich
nur dann in ihrem Innersten, wenn sie ein Unglck erleiden. Wenn sie sich
nach dem erlittenen Schaden weiterhin gegen Allah auflehnen, werden sie
vollkommen ruiniert. Ihr Ende ist unvermeidbar: die Hlle ist ein schlechter
Platz zum Verweilen!
Siehe, das irdische Leben ist wie das Wasser,
das Wir vom Himmel hinabsenden. Es wird vom Gewächs der Erde
aufgenommen, von dem Menschen und Vieh sich nähren. Wenn die
Erde ihren Flitter empfangen und sich geschmückt hat und ihre
Bewohner glauben, sie hätten Macht über sie, dann kommt
Unser Befehl zu ihr, in der Nacht oder am Tag, und Wir machen sie
wie abgemäht, so als ob sie gestern gar nicht blühend
gewesen wäre. So machen Wir die Zeichen klar für ein Volk,
das nachdenkt.
(Sure 10:24 – Yunus) |
Wisst, dass das irdische Leben nur Spiel und Scherz
und Flitter und Prahlerei unter euch ist und Wetteifern um Vermgen
und Kinder. Dies gleicht dem Regen, dessen Wachstum die Bauern erfreut.
Dann aber welkt es, und du siehst es gelb werden. Dann zerbrckelt es.
Und im Jenseits ist strenge Strafe ebenso wie Verzeihung von Allah und
Wohlgefallen. Doch das irdische Leben ist nur ein trgerischer Niebrauch
auf Zeit. (Sure 57:20 - al-Hadid)
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