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DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE - Harun Yahya

DER DARWINISMUS ALS SOZIALE WAFFE



SOZIALDARWINISMUS

Rassendiskriminierung und Rassismus, ungleicher Wettbewerb, Unterdrckung der Armen, Ausbeutung der Schwachen durch die Starken und die Auffassung, dass Macht alles rechtfertigt - diese bel ziehen sich durch die ganze Geschichte. Vor Jahrtausenden schon, zur Zeit des Propheten Moses (a.s), hielt sich der Pharao wegen seines Reichtums und seiner machtvollen Armee fr unberwindlich. Er wies die Propheten Moses (a.s) und Aaron (a.s) ab und wollte sie tten lassen, obwohl sie klar und deutlich die Wahrheit sagten. Darber hinaus verfolgte er eine unterdrckerische Politik, spaltete sein eigenes Volk in Klassen auf, qulte das Volk der Israeliten in seiner Gefangenschaft und lie dessen junge Mnner tten, um das ganze israelitische Volk auszulschen. Im Quran werden die Verbrechen des Pharao wie folgt beschrieben:

Frwahr, Pharao war berheblich im Lande und spaltete sein Volk in Klassen. Einen Teil von ihnen unterjochte er, indem er ihre Shne abschlachtete und nur ihre Frauen am Leben lie. Er war wirklich einer derer, die Verderben stiften. (Sure 28:4 - al-Qasas)

Bin ich etwa nicht besser als dieser Verchtliche da, der sich kaum verstndlich machen kann? (Sure 43:52 - az-Zukhruf)

Und kehrt euch reuig euerem Herrn zu, und ergebt euch Ihm...(Sure 39:54 az-Zumar)

Und zum Erbe gaben Wir dem Volk, das fr schwach erachtet worden war, den Osten und Westen des Landstrichs, den Wir gesegnet hatten... (Sure 7:137 al-A'raf)

Aber gypten war beileibe nicht die einzige Gesellschaft, in der nur die Macht zhlte, Menschen in Klassen aufgeteilt waren, fr minderwertig gehaltene Menschen unterdrckt und unmenschlich behandelt wurden. Derartige Gesellschaften gibt es bis in die heutige Zeit.

Im 19. Jahrhundert jedoch erreichte die Inhumanitt eine neue Dimension. Bis dahin wurden solche Politik und Manahmen immerhin noch als grausam betrachtet, aber pltzlich wurde all das als normal und naturgesetzlich definiert. Wie konnte es zu einer derartigen Pervertierung kommen?

Die Evolutionstheorie von Charles Darwin wurde dargelegt in seinem Buch The Origin of Species (Der Ursprung der Arten). Es erschien 1859 und enthielt eine Reihe wilder Spekulationen ber den Ursprung des Lebens, die spter zu einem nahezu wahnhaften Weltbild fhrten ohne jegliche wissenschaftliche Beweise. Kern dieser verworrenen Philosophie war die Leugnung der gttlichen Schpfung und die Behauptung, nur der Zufall habe dazu gefhrt. Von da an galten Menschen nur noch als Hherentwicklung von Tieren und das Leben wurde als stndiger berlebenskampf gesehen.

Darwins Evolutionstheorie hatte Vorlufer, die im damals noch primitiven Wissenschaftsverstndnis des 19. Jahrhunderts wurzelten. Schon 50 Jahre vorher, im Jahr 1798, hatte Thomas Malthus hnliche Thesen vorgetragen in seinem Buch Essay on the Principle of Population (Aufsatz ber das Prinzip von Populationen).In diesem Buch behauptete Malthus, dass das Bevlkerungswachstum wesentlich schneller verlaufe als die Nahrungsmittelproduktion und dass man deshalb das Bevlkerungswachstum kontrollieren msse. Malthus vertrat die Auffassung, dass Kriege und Epidemien dabei eine regulierende Wirkung htten und insofern zu begren seien. Damit vertrat er als erster die Theorie vom berlebenskampf. Entsprechend dieser Behauptung, fern von menschlichen Werten, sollten die Armen dieser Welt nicht geschtzt, sondern unter mglichst unmenschlichen Bedingungen gehalten werden, um sich nicht vermehren zu knnen. Die knapper werdenden Nahrungsreserven hingegen sollten der herrschenden Klasse vorbehalten bleiben. Eine derartige Theorie der angeblich notwendigen Grausamkeit kann bei jedem Menschen mit gesundem Menschenverstand und einem Gewissen nur Abscheu hervorrufen. Umso mehr, als alle religisen, moralischen Werte von uns verlangen, unsere helfende Hand fr die Armen und Bedrftigen auszustrecken. Doch Malthus und sein Nachfolger Darwin forderten allen Ernstes, diese Menschen solle man ruhig sterben lassen.

Einer der ersten, die sofort diese wahrhaft unmenschlichen Gedanken aufgriffen, war der britische Soziologe und Philosoph Herbert Spencer. Sogar die Formulierung berleben des Strkeren, die Darwins Denken in aller Krze zusammenfasst, stammt in Wirklichkeit von ihm. Er ging soweit, zu fordern, dass die Ungeeigneten ausgelscht werden sollten. Zitat: Wenn sie hinreichend ausgestattet sind, um zu leben, sollen sie auch durchaus leben. Wenn sie aber nicht hinreichend ausgestattet sind, um zu leben, sterben sie, und dann ist es am besten so. 1 Aus der Sicht Spencers sollten alle Armen, Ungebildeten, Kranken, Verkrppelten und Nichterfolgreichen sterben, und sein Bemhen ging dahin, den Staat daran zu hindern, Gesetze zum Schutz dieser Menschen zu erlassen.

Spencer mangelte es vllig an Mitgefhl fr Menschen, die bei anderen so etwas wie Mitleid oder Schutzbedrfnis erweckt htten. Stattdessen suchte er nach Wegen, sie loszuwerden. Der amerikanische Historiker Richard Hofstadter hat das in seinem Buch Darwinism in American Thought (Der Darwinismus im amerikanischen Denken) folgendermaen kommentiert:

Spencer beklagte nicht nur Gesetze zum Schutz der Armen, sondern auch staatliche Ausbildungshilfe, Hygienevorsorge auer Seuchenverhtung, Regulierung von Wohnbedingungen und selbst staatlichen Schutz vor Quacksalbern.2

Darwin, der auerordentlich beeindruckt war von den rcksichtslosen Ansichten von Malthus und Spencer, vertrat in seinem Buch Der Ursprung der Arten die Ansicht, dass sich alle Lebewesen durch natrliche Selektion entwickelt htten. Er selbst war kein Wissenschaftler, sondern eine Art Hobby-Biologe. Zu seiner Zeit konnte man unter den damals noch primitiven Mikroskopen nicht viel mehr als verschwommene Kleckse entdecken, und die Mendelschen Vererbungsgesetze waren noch gar nicht entdeckt. Seine Evolutionstheorie entwickelte er also unter unzureichenden wissenschaftlichen Bedingungen und als wissenschaftlicher Amateur. So kam er zur unwissenschaftlichen Theorie, dass in der Natur alles nach dem Prinzip der natrlichen Selektion der jeweils Strksten abluft. Dieser auf vllig falschen Voraussetzungen beruhenden Theorie zufolge galt ihm das ganze Leben als ein Werk des Zufalls. Deshalb verneinte er die gttliche Schpfung. (Gott ist erhaben darber.) Nach Erscheinen von The Origin of Species (Der Ursprung der Arten) verfolgte er seine falsche Theorie weiter in dem Buch The Descent of Man (Die Abstammung des Menschen). Dort legte er dar, dass die von ihm so genannten unterentwickelten Rassen schon in naher Zukunft aussterben und die hherentwickelten Rassen sich weiter entwickeln und siegen wrden. Durch seine bertragung der Evolutionstheorie auf die menschliche Gattung und weitere hnliche Schriften wurde Darwin auch zum Stammvater des Sozialdarwinismus.


 

Darwins irrige Behauptung, untermauert durch seine unwissenschaftliche Theorie, dass der Schwache und Machtlose unterdrückt werden muss,  ist einer der Hauptfaktoren hinter der Verbreitung von Ungleichheit und Ungerechtigkeit.

Seine Anhnger setzten sein Werk lediglich fort. Die bekanntesten Befrworter und Praktiker des Sozialdarwinismus waren Herbert Spencer und Darwins Vetter Francis Galton in England, sowie der amerikanische Forscher William Graham Sumner und der Darwinist Ernst Haeckel in Deutschland - und spter gnadenlose faschistische Rassisten wie Adolf Hitler.

Schon bald wurde die Ideologie des Sozialdarwinismus zu einem ideologischen Instrument der Selbstrechtfertigung fr Rassisten, Imperialisten, Kapitalisten und Politiker, die ihre Pflicht zum Schutz der Armen und Bedrftigen nicht erfllten. Fortan konnten sie im Namen des pseudowissenschaftlichen Sozialdarwinismus alles als menschlichen Fortschritt bezeichnen, was in Wirklichkeit Unterdrckung der Schwachen, Armen und sogenannten minderwertigen Rassen, Auslschung der Kranken und Behinderten sowie kleiner Unternehmen durch Grokonzerne war. Der Mangel an Mitleid und Gewissen im Kontext des Sozialdarwinismus wurde einfach als naturgegebener Pfad der sogenannten Evolution dekretiert.

Insbesondere rechtfertigten vor allem amerikanische Kapitalisten das von ihnen geschaffene Klima des hemmungslosen Wettbewerbs zu ihren Gunsten mit Darwin-Zitaten. Aber natrlich war dies nichts anderes als ein gigantisches Tuschungsmanver. Es ging ihnen in Wirklichkeit nur darum, ihrem gnadenlosen Konkurrenzdenken ein wissenschaftliches Mntelchen umzuhngen. Andrew Carnegie zum Beispiel, einer der Grokapitalisten der damaligen Zeit, hat 1889 in einer Rede folgendes geuert:

Der Preis, den die Gesellschaft bezahlt fr das Gesetz des Wettbewerbs ist ebenso gro wie der, den sie fr Annehmlichkeiten und Luxus bezahlt. Aber die Vorteile des Konkurrenzprinzips berwiegen die von ihm erzeugten Kosten - denn wir verdanken ihm unsere wundervolle technische Entwicklung, die uns so viele Vorteile bringt ... Wenngleich das Konkurrenzprinzip manchmal hart fr die Individuen sein mag, ist es jedoch vorteilhaft fr den Erhalt der menschlichen Gattung, weil es in allen Bereichen das berleben des Strkeren frdert. Deshalb akzeptieren und begren wir es als Bedingung, der wir uns unterwerfen mssen, zusammen mit ungleichen Lebensbedingungen und der Konzentration der Wirtschaft und des Reichtums in den Hnden weniger, weil dies nicht nur ntzlich, sondern auch unerlsslich ist fr die Zukunft der Menschheit.3

Gem dem Sozialdarwinismus ist das einzige Ziel einer Rasse ihre physische, wirtschaftliche und politische Entwicklung. Verglichen damit gelten individuelles Wohlbefinden und Glck, Frieden und Sicherheit als unwichtig. Ebenfalls nicht gefragt ist Mitleid mit Leidenden und Hilferufenden, fr alle, denen es an Nahrung, Arzneimitteln und Schutz fr ihre Kinder, Familien, Eltern und Groeltern mangelt, fr die Alten und Machtlosen. Im Zusammenhang der sozialdarwinistischen Theorie gilt jemand, der arm, aber moralisch aufrecht durchs Leben geht, als wertlos, weshalb sein Tod als ntzlich fr die Gesellschaft gilt. Reich, aber moralisch verdorben zu sein, gilt hingegen als uerst wichtig fr die Fortentwicklung der Rasse, und - egal unter welchen Bedingungen - solche Individuen gelten als wertvoll. Aber diese abstruse Auffassung hat den Sozialdarwinismus in eine geistige und moralische Sackgasse gebracht. Schon 1879 enthllte der amerikanische Sozialdarwinist William Graham Sumner unfreiwillig den Lug und Trug dieser Theorie:

... knnen wir dieser einzigen Alternative nicht entkommen: Freiheit, Ungleichheit, berleben des Strkeren; Unfreiheit, Gleichheit, berleben der Schwchsten. Erstere Alternative treibt die Gesellschaft nach vorn und begnstigt ihre besten Angehrigen; letzere hingegen verhindert den gesellschaftlichen Fortschritt und begnstigt die gesellschaftlich Schwachen.4


Die Nazis sterilisierten zuerst Kinder mit geistigen oder vererbten Krankheiten und später begannen sie, sie in die Gaskammern zu schicken. Selbst wenn Kindern nur ein Daumen fehlte, wurden sie Ziel des eugenischen Tötens.

Die blutrnstigsten Anhnger des Sozialdarwinismus waren allesamt Rassisten, unter ihnen waren zweifellos die gefhrlichsten die Nazi-Ideologen unter ihrem Wortfhrer Adolf Hitler. Die schlimmsten Folgelasten des Sozialdarwinismus haben die Nazis zu verantworten, weil sie begannen, der Forderung von Francis Galton zu folgen und die Eugenik anzuwenden, deren Ziel die Ausrottung lebensunwerten Lebens zwecks Zchtung hherwertiger Menschen war. Auch vor Vlkermord schreckten sie nicht zurck und sie beriefen sich auf Aussagen des Darwinismus, um ihre Verbrechen zu legitimieren. Dem Rat darwinistischer Wissenschaftler folgend, ermordeten sie Millionen von Juden, Zigeunern und Osteuropern, die als rassisch minderwertig klassifiziert wurden. In Gaskammern wurden Geisteskranke, Behinderte und ltere Menschen ermordet. Mitten im 20. Jahrhundert wurden vor den Augen der Welt im Namen des Sozialdarwinismus Abermillionen Menschen ermordet.

Eine weitere folgenschwere Weiterentwicklung des Sozialdarwinismus war die von Galton angefhrte Strmung der Eugenik. Ihre Anhnger vertraten die Auffassung, dass man die natrliche Selektion durch knstliche Selektion beschleunigen msse, um so im Ganzen die Entwicklung der Menschheit voranzutreiben. Deshalb befrworteten sie die Zwangssterilisation bei berflssigen Menschen in zahlreichen Lndern, von Schweden bis zu den USA. Hunderttausende wurden gegen ihren Willen und ohne Einverstndnis ihrer Angehrigen operiert. Die mit Abstand grausamste Form von Eugenik praktizierten die deutschen Nazis, die verkrppelte, Geisteskranke oder mit Erbkrankheiten geborene Menschen sterilisierten. Damit nicht genug, wurden auch Hunderttausende ermordet, hufig nur, weil ihnen Gliedmaen fehlten.

Derartige Grausamkeiten sind absolut unvereinbar mit religis begrndeter Moralitt. Gott hat den Menschen aufgetragen, die Bedrftigen zu schtzen und zu ernhren. Wir sollen die Bedrfnisse der Armen stillen, Behinderten mit Anteilnahme und Mitgefhl begegnen und ihre Rechte achten, sowie Zusammenarbeit und Solidaritt innerhalb der Gesellschaft frdern. Wer diese moralischen Gebote Gottes missachtet, treibt sich selbst und die Gesellschaft in eine Katastrophe.

Eine weitere Katastrophe, die auf das Konto des Sozialdarwinismus geht, ist der Kolonialismus. Eine ganze Reihe von imperialistisch-kolonialistischen Politikern hat ihre erbarmungslose Ausbeutung der Bevlkerung in den kolonialisierten Lndern bar jeglicher wissenschaftlichen Begrndbarkeit mit darwinistischen Thesen legitimiert. Dazu brauchten sie nur zu behaupten, dass minderwertige Rassen eben nur unter der Knute hherwertiger Rassen berleben knnten, weil dies den von ihnen erfundenen Naturgesetzen entsprche.

Mit Hilfe der trgerischen Logik des Sozialdarwinismus versuchten die Kontrahenten der beiden Weltkriege des 20. Jahrhunderts diese Kriege als unvermeidlich darzustellen. Die Ermordung von Unschuldigen und Armen, die Vernichtung ihrer Huser, Felder und Nutztiere, ihre Vertreibung, das unmenschliche Gemetzel an Babies und Kindern - all das diente angeblich dem Fortschritt der Menschheit.

Mit einem Wort: Der Sozialdarwinismus war jene Ideologie, die im 19. und 20. Jahrhundert Millionen von Menschenleben gefordert hat. Durch ihn haben sogar schon Jahrhunderte vorher begangene Verbrechen eine spte Rechtfertigung gefunden. In seinem Buch The Mismeasure of Man gibt der krzlich verstorbene evolutionistische Palontologe Stephen Jay Gould in einem Kommentar zu Darwins The Origin of Species darber Auskunft:

Unter der Flagge der Wissenschaft konnten fortan Argumente fr die Sklaverei, den Kolonialismus, Rassendiskriminierung, Klassenstrukturen und Geschlechterrollen ungehindert daher marschieren.5

Darwin selbst war Sozialdarwinist


Darwins Buch Die Abstammung des Menschen

Wieviel Mhe sich heutige Evolutionisten auch geben mgen, um den Ruf Darwins so fern wie mglich von all dem Leid zu halten, die der Sozialdarwinismus ber die Menschheit gebracht hat, es ndert nichts daran, dass Darwin selbst eindeutig sozialdarwinistische Formulierungen benutzt hat, vor allem in seinem Buch The Descent of Man (Die Abstammung des Menschen) und spteren Schriften. Schon 1869 schrieb er in einem Brief an Hugo Thiel, dass er nichts einzuwenden habe, wenn seine Theorie auch auf die menschliche Gesellschaft angewendet wrde:


Das Buch von Benjamin Wiker Moral Darwinism

Sie knnen mir glauben, dass ich auerordentlich interessiert daran bin an Ihrem Versuch, die von mir bei der Entwicklung der Arten beobachteten Kriterien auch auf moralische und soziale Fragen anzuwenden.6

Der Dozent fr Theologie und Wissenschaft an der Franciscan University und Verfasser von Moral Darwinism: How we became Hedonists (Moralischer Darwinismus: Wie wir zu Hedonisten wurden), Benjamin Wiker, hlt Darwin fr einen Sozialdarwinisten, und er begrndet dies so:

Ob es gefllt oder nicht - Tatsache ist, dass Darwin selbst einer der ersten Sozialdarwinisten und Stammvater der modernen Eugenik-Bewegung war. Denn Sozialdarwinismus und Eugenik sind nur eine logische Fortsetzung seines Prinzips der natrlichen Selektion. Meines Erachtens ist der wahre Grund fr viele Leute, diesen Zusammenhang zu leugnen, dass sie den Darwinismus unbefleckt von seinen moralischen Implikationen stehen lassen wollen. Aber es gibt diesen eindeutigen Zusammenhang, nicht nur in seinen Schriften, sondern vor allem deutlich erkennbar anhand all der schrecklichen Folgen seiner Theorie, zu denen es in den 150 Jahren seit ihrer Verffentlichung gekommen ist.7


Die Auffassung des Krieges als nötiges Mittel für den Fortschritt der Rassen oder Nationen ist ein Ergebnis der darwinistischen Philosophie, welche eine derartige Zerstörung anrichtete. Während des 2. Weltkrieges (seit jeher einer der blutigsten Kriege) zertrümmerte französische Strassen sind Beweise dafür.

Wie in den folgenden Kapiteln zu lesen sein wird, gibt es eine ganze Reihe von Aussagen Darwins, in denen er sich selbst als Urheber des Sozialdarwinismus zu erkennen gibt. Die heutigen Evolutionisten ignorieren diese Tatsache gerne, weil sie natrlich die verhngnisvollen Auswirkungen des Sozialdarwinismus im 20. Jahrhundert kennen. Tatsache bleibt jedoch, dass Rassismus, Diskriminierung und Konkurrenz - fundamentale sozialdarwinistische Kategorien - untrennbare Bestandteile der Evolutionstheorie sind. Ob die Evolutionisten dies akzeptieren, spielt keine Rolle. Jede Theorie, in der menschliche Lebewesen als Produkte des Zufalls und als hher entwickelte Tiere gelten, jede Theorie, die behauptet, dass manche Rassen anderen gegenber minderwertig seien und deshalb den Tieren nher stnden als den Menschen, dass der Fortschritt der Menschheit nur durch Unterdrckung der Schwachen durch die Starken mglich sei - eine solche Theorie muss zwangslufig tragische Konsequenzen haben. Das Versteckspiel der Evolutionisten mit dem Sozialdarwinismus verschleiert nur das Problem. Deshalb bleibt zu hoffen, dass alle, die sich von der Evolutionstheorie haben blenden lassen, erkennen, dass sie wissenschaftlich am Ende ist.

Der Fehler, Naturgesetze auf den Menschen zu bertragen


Die primitiven Mikroskope in der Zeit von Darwin übermittelten den Eindruck, dass die Zelle lediglich eine einfache Struktur eines undifferenzierten Protoplasmas ist.

Als Darwin seine Theorie vorlegte, war die Wissenschaft noch nicht sonderlich fortgeschritten. Das Elektronenmikroskop zum Beispiel, das die Einzelheiten organischen Lebens unterhalb der Wellenlnge des Lichts sichtbar werden lsst, war noch nicht erfunden. Zellen sahen fr die damaligen Wissenschaftler noch wie Tintenkleckse aus, und noch ahnte niemand, dass der Bauplan einer einzigen Zelle nicht weniger kompliziert ist, als ein Stadtplan, weil die Zelle ber unzhlige Organellen verfgt. Die Genforschung lag noch in weiter Ferne, nicht einmal die Vererbungsgesetze waren entdeckt. Viele damalige Biologen und Wissenschaftler, Darwin eingeschlossen, glaubten, dass erworbene Eigenschaften an sptere Generationen weitergegeben werden knnten. Zum Beispiel glaubte man damals, dass ein Schmied, der sich durch seine Hndearbeit starke Muskeln erworben hatte, selbige an seinen Sohn weitervererben knne. So sah die Welt der damaligen Wissenschaft aus, in der Darwin seine Evolutionstheorie entwickelte. Weder Darwin noch einer seiner Anhnger war in der Lage, die Evolutionstheorie mit konkreten Tatsachen aus den Fachbereichen Palontologie, Biologie oder Anatomie zu beweisen. Hinzu kommt, dass in den Jahrzehnten spter Beobachtungen und Experimente sowie neue Fossilienfunde vor allem im 20. Jahrhundert die Ungltigkeit der Evolutionstheorie bewiesen haben. Aber trotz ihrer wissenschaftlichen Drftigkeit liefert sie noch immer die Grundlage fr den Materialismus und Atheismus, denen sich ein Teil der wissenschaftlichen Welt verpflichtet fhlt.


Andererseits haben die heutigen Mikroskope gezeigt, wie komplex und perfekt die Struktur der Zelle in Wirklichkeit ist.

Interessierte Kreise begannen die Evolutionstheorie auf die soziale Welt zu bertragen, was wegen ihrer ideologischen Implikationen leicht mglich war. So wurde sie selbst zur Legitimationsideologie fr die verheerenden Katastrophen des 20. Jahrhunderts, Vlkermord, Massenmord, Brgerkriege, in denen ein Bruder den anderen erschlug, sowie Weltkriege, die ganze Nationen ruinierten.

Einer der groen Fehler der Sozialdarwinisten war der Versuch, ihre Theorie auf das Sozialleben zu bertragen. Ein weiterer Fehler war es, zu glauben, dass Naturgesetze aus der Tierwelt auch fr Menschen Gltigkeit haben knnten, obgleich diese doch von Gott geschaffen und mit Bewusstsein, Vernunft, Urteilsvermgen und einem Gewissen ausgestattet worden sind. Deshalb gelten, im Widerspruch zur sozialdarwinistischen Theorie, die Gesetze des Dschungels nicht in der Welt der Menschen, in der jeder sein ganzes Leben lang dafr verantwortlich ist, seine Fhigkeiten bestmglich einzusetzen. Auerdem hat Gott den Menschen nur eine bestimmte Lebensspanne zugemessen. Wenn sie zu Ende geht, sterben sie, um spter wieder aufzuerstehen und sich dann fr ihre Taten im irdischen Leben zu rechtfertigen.

In der Natur sterben die Lebewesen als Gattung aus, wenn sie sich nicht hinreichend an ihre ueren Lebensbedingungen anpassen knnen. Ein dunkel gefrbtes Kaninchen zum Beispiel wird in einem verschneiten Wald sehr schnell einem Fuchs zum Opfer fallen, weil er es sofort erspht. Aber im Gegensatz zu dem, was uns die Darwinisten glauben machen wollen, wird aus dem dunkel gefrbten Kaninchen keinesfalls eine neue, hell gefrbte Kaninchenart entstehen. Auerdem unterscheiden sich Tiere mageblich darin von den Menschen, dass diese sich nicht ihrer Umwelt anpassen mssen, um zu berleben. Menschen besitzen nmlich die Fhigkeit, ihre Umwelt entsprechend ihren Wnschen und Bedrfnissen zu verndern. Wir passen unsere Huser, deren Heizung und Khlung und unsere Kleidung dem jeweiligen Klima an, in dem wir leben. In der menschlichen Gesellschaft gibt es keine natrliche Selektion, weil menschliche Vernunft und menschliche Fhigkeiten dies verhindern.


 

Wenn die Armen einer Gesellschaft misshandelt und sich selbst überlassen werden, führt dies zu Spannungen und Ärger, außer wenn Geduld und Vergebung, ermutigt durch religiöse moralische Werte die Oberhand gewinnt.

Ihre Denkfehler verleiten die Sozialdarwinisten zu einer vllig falschen und inhumanen Sicht auf die menschliche Gesellschaft. Bar jeglicher Vernunft und gewissenlos ist ihre Auffassung, der Fortschritt einer Gesellschaft hnge davon ab, wie sie mit den Schwachen und Bedrftigen, den Behinderten und Machtlosen umgeht - sie mssten aufgegeben werden. In Wirklichkeit jedoch fhrt eine derart inhumane Herangehensweise nicht zu Fortschritt, sondern zum Untergang. Denn alle, die der Sozialdarwinismus aus der menschlichen Gesellschaft eliminieren will, sind bewusste und vernunftbegabte Menschen. Wenn man sie der Ungerechtigkeit und Grausamkeit berantwortet, obwohl sie dank religise, moralischer Werte ber Tugenden wie Geduld, Verstndnis und die Bereitschaft zur Vergebung verfgen, werden sie mit Sicherheit Zorn und Hass entwickeln gegenber jenen, die sie so inhuman und grausam behandeln. Um diesen Zorn zu besnftigen, werden die Herrschenden dann, wie viele Beispiele aus jngster Vergangenheit zeigen, zur Gewalt greifen, und daraus werden Konflikte und Chaos entstehen. Das wiederum wrde einen riesigen materiellen und geistigen Aufwand fr die Konfliktlsung erfordern, der in allen gesellschaftlichen Bereichen zum Niedergang fhren wrde - sei es in Kunst und Technik, in Wirtschaft und Wissenschaft. Doch das wre das Gegenteil von Fortschritt.


Sozialdarwinistische Praktiken brachten nur Hass und Ärger, Konflikte, Mörder und Krieg über die Menschheit.

Hinzu kommt, dass das Tten von Kranken oder Behinderten im Namen der Eugenik nicht nur uerst brutal, sondern auch keineswegs ein Beitrag zum Fortschritt einer Gesellschaft ist. Eine derart legitimierte Billigung von Mord fhrt frher oder spter zu groen gesellschaftlichen Defiziten. Heute sind etwa sechs Prozent der Weltbevlkerung, also etwa 42 Millionen Menschen - behindert. Wenn man sie tten wrde, wrde fast jeder Mensch auf der Welt durchschnittlich einen Verwandten oder Bekannten verlieren. In jeder Gesellschaft, in der eine Mutter ihren eigenen Kindern nicht vertrauen, die Kinder nicht ihrer Mutter, ein Bruder nicht dem anderen vertrauen kann, weil immer das Schwert des Todes ber einem von ihnen hngt, in einer solchen Gesellschaft wren gesellschaftliche Fehlentwicklungen und Depressionen zwangslufig die Folge. Eine solche Gesellschaft wre dem moralischen Untergang geweiht. Nicht nur smtliche moralischen Werte wrden ihr fehlen, sondern auch jegliche Menschlichkeit. Eine Gesellschaft, die Derartiges duldet, leidet bereits an schweren psychischen und geistigen Problemen.

Das grte Leid jedoch wird dadurch all jenen zugefgt, die der Eliminierung ausgeliefert werden.

Wie im Folgenden gezeigt werden soll, versucht der Sozialdarwinismus die Evolutionstheorie auf die soziale Welt zu bertragen - wobei diese Theorie schon in sich selbst unwissenschaftlich ist und obwohl sie dem Wesen der menschlichen Natur total widerspricht. Sobald sie in die Tat umgesetzt wird, fhrt sie zum Verlachen der Humanitt, sie zieht sie herab in Depression und Chaos, erzeugt Hass, Mord und Krieg. Seine Bltezeit erlebte der Sozialdarwinismus in der zweiten Hlfte des 19. und in der ersten Hlfte des 20. Jahrhunderts, aber selbst heute noch sind seine verhngnisvollen Folgen deutlich zu sehen. Unter so hochtrabenden Bezeichnungen wie Evolutionspsychologie oder genetischer Determinismus" werden nach wie vor die Denkfehler des Darwinismus auf die menschliche Gesellschaft bertragen. Um das 21. Jahrhundert vor den Katastrophen zu bewahren, die das 20. Jahrhundert durch den Sozialdarwinismus erlitten hat, mssen dessen absurde Denkfehler schonungslos entlarvt und der ganzen Welt erklrt werden, wie weit Darwinismus und Sozialdarwinismus von Wissenschaftlichkeit entfernt sind.


 

Wenn sich das Leiden des vergangenen Jahrhunderts nicht wiederholen und wenn dieses 21. Jahrhundert den Frieden bringen soll, dann müssen sich die Menschen die Irreführung und Gefahren des Darwinismus erkennen.

 

    

1. Herbert Spencer, Social Status, 1850, pp. 414-415.
2. Richard Hofstadter, Social Darwinism in American Thought, Rev. Ed., Boston: Beacon Press, 1955, p. 41.
3. Mark Kingwell, "Competitive States of America, Microsoft proves it: we're still wrestling with that treasured national ideal," New York Times, June 25, 2000; http://www.spaceship-arth.org/Letters/Editor/Competitive_States_of_America.htm.
4."Modern History Sourcebook: William Graham Sumner (1840-1910): "The Challenge of Facts;" http://www.fordham.edu/halsall/mod/1914sumner.html"
5. Stephen Jay Gould, The Mismeasure of Man, New York: W.W. Norton and Company, 1981, p. 72.
6. Francis Darwin, The life and Letters of Charles Darwin, D. Appleton and Co., 1896, vol. 2, p. 294.
7. "Darwin as Epicurean: An Interview with Benjamin Wiker," http://www.touchstonemag.com/docs/issues/15.8docs/15-8pg43.html

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